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Offener Brief an den Oberbürgermeister

Folgender Offener Brief ist heute an den Oberbürgermeister der Stadt Frankfurt (Oder) versendet worden:


Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,

seit dem 28.04.2010 ist für unseren Verein nichts mehr wie es war. Unbemerkt für die Frankfurter Bevölkerung, für Stadtverordnete und für Mitglieder der Stadtverwaltung hat die untere Bauaufsichtsbehörde der Stadt Frankfurt (Oder) die Tribüne und die Besucherränge im Stadion der Freundschaft für eine weitere Nutzung bis auf Weiteres gesperrt. Lediglich die Rasenfläche und die Aschenbahn können noch für den Trainingsbetrieb und den Schulsport genutzt werden, wenn die Sportler den Weg über das Marathontor nehmen. Ein Wettkampfbetrieb ist somit für die ortsansässigen Sportvereine nicht mehr möglich. Für den 1. American Football Verein Ff/O. Red Cocks bedeutet dies, dass gerade mal 3 Tage vor Beginn der diesjährigen Spielsaison die traditionelle Spielstätte für den Wettkampfbetrieb verloren gegangen ist!

Das mit einer solchen Entwicklung im Stadion der Freundschaft irgendwann zu rechnen war, kommt für uns durchaus nicht überraschend. Bis auf wenige Anstriche und kleinere Reparaturen ließ man das Stadion seit der Wende systematisch verfallen. Den Vorstand der Red Cocks verwundert jedoch, dass die schon seit Jahren bekannten und deutlich sichtbaren Mängel einerseits nicht abgestellt und Hilfsangebote der Red Cocks aus dem Jahre 2008 abgewiesen wurden sowie andererseits, obwohl innerhalb des letzten Winters keine nennenswerten Änderungen eingetreten sind, plötzlich Hals über Kopf kurz vor Beginn des regulären Spielbetriebes unserer Footballer eine vollständige Sperrung verfügt wurde.

Verwunderlich ist auch, dass die aktuelle Sperrung des Stadions der Freundschaft offensichtlich nicht an das staatliche Schulamt weitergeleitet worden ist. Ansonsten hätten am Donnerstag und Freitag nicht Schüler der Stadt Frankfurt (Oder) die gesperrten Flächen problemlos und ungehindert betreten können. Immerhin werden derzeit auch noch Sportgeräte des Schulsports in den gesperrten Innenräumen der Tribüne gelagert. Es stellt sich die Frage, ob die bestehende Sperrung konsequent allen Betroffenen vermittelt wurde. Oder soll nur der Breitensport in der Sportstadt ausgeklammert werden?

Mit dem Wegfall unserer bisherigen Spielstätte steht der gesamte
Spielbetrieb aller 3 American Football-Mannschaften der Red Cocks in Frage. Wenn in den nächsten Tagen keine geeignete Spielstätte gefunden wird, verliert der Verein seine Lizenz für die Männermannschaft, Jugendmannschaft und Flagmannschaft. Dies bedeutet Zwangsabstieg, keine Spiele diese Saison, 6 Monate Saisonvorbereitung umsonst und, wenn überhaupt, Neubeginn ganz unten. Damit dürfte das Aus für American Football und Cheerleading in Frankfurt (Oder) besiegelt sein. Der 15-jährige Vereinsaufbau wäre über Nacht zerstört und die weitere Existenz des Vereins in Frage gestellt. Rund 185 Vereinsmitglieder, davon rund 85 Kinder und Jugendliche, würden eine Freizeitbeschäftigung verlieren. Wollen Sie und die Stadt Frankfurt (Oder) das?

Mit dem Finden einer neuen Spielstätte ist das Problem alleine auch nicht gelöst. Jede andere Lösung als das Stadion der Freundschaft ist nach unseren Recherchen wieder mit zusätzlichen und/oder dauerhaften Kosten verbunden. Um Kosten zu vermeiden sind Investitionen notwendig. An dem ehrenamtlichen Einsatz unserer Mitglieder zur Bewältigung der Investitionen soll es auch nicht scheitern. Nur besitzen wir als Verein derzeit keine Grundlagen mehr, um die Investitionen und zusätzlichen Kosten aus eigener Kraft finanziell zu bewältigen. Und verantwortlich dafür – die Stadt Frankfurt (Oder).

Im Januar 2010 mussten wir, wie Sie wissen, die langfristig geplante und bereits vorbereitete Berlin / Brandenburg Cheerleading Meisterschaft von der gesperrten Brandenburg-Halle in die Messehalle verlegen. Eine Absage der Veranstaltung kam wegen der möglichen Schadensersatzforderungen von mindestens 25.000 € sowie dem erheblichen Imageverlust für Frankfurt (Oder) und den Verein nicht in Betracht. In weniger als 10 Wochen ist es dem Verein bei voller Ehrenamtlichkeit gelungen, die Meisterschaft fast komplett neu zu organisieren. In einer vollen Messehalle 1 präsentierten wir mit mehr als 1.000 Aktiven ein sportliches Highlight, dass für die Frankfurter Sportlandschaft neue Maßstäbe gesetzt hat. Neben diesem sportlichen Erfolg und dem sehr guten Imagegewinn für die Stadt Frankfurt (Oder) stehen nun die Red Cocks als Verlierer da! Nur dank einer kooperativen Messegesellschaft lagen am Ende die Mehrkosten der Verlegung bei lediglich rund 14.000 €. Zwar konnten wir einen Teil der Mehrkosten mit Hilfe unserer Sponsoren und Förderer decken. Den restlichen Teil der Mehrkosten müssen wir jedoch aus dem laufenden Etat des Vereins finanzieren. Aktuell sind über eine Ratenzahlungsvereinbarung bis zum Ende des Jahres noch 9088,00 € zu begleichen, um die Einleitung eines gerichtlichen Mahnverfahrens zu vermeiden. Seitens der Stadt Frankfurt (Oder) wird keine Haftung für die Mehrkosten der Verlegung übernommen, obwohl eine Nutzungszusage und somit ein Vertrag bestand.

Ein weiterer Punkt ist die Unterhaltung unserer Trainingsstätte am Hellweg, die gleichzeitig vom Gauß-Gymnasium als Sportplatz für den Schulsport genutzt wird. Diesen Sportplatz haben 2003 die Red Cocks mit Fördergeldern aus dem Goldenen Plan Ost, aber auch mit einem Eigenanteil und Eigenleistungen im Wert von 75.000 € geschaffen. Die Bewirtschaftung der Rasenfläche verursacht dem Verein nach Bestätigung durch zuständige Stellen der Stadtverwaltung jährliche Mehrkosten von mindestens 3.000 €, die auch durch die entgeltfreie Nutzung der Sporthalle des Gauß-Gymnasiums nicht aufgehoben werden können. Es ist seit 2004 nicht möglich gewesen, mit der Stadt Frankfurt (Oder) einen kostenbilanzierten Nutzungsvertrag abzuschließen!

Fassen wir alles zusammen, fehlen dem Verein erhebliche Gelder für schon längst notwendige Investitionen und die Absicherung von Vereinsaufgaben. Da ist es auch verständlich, dass unsere Mitglieder gefrustet sind, wenn Gelder für Bälle zum Trainieren oder andere wichtige Gerätschaften nicht angeschafft werden können. Und jetzt muss mit weiteren Kosten für die Bereitstellung einer geeigneten Spielstätte gerechnet werden. Ohne eine schnelle Klärung der bestehenden Probleme ist der Spielbetrieb eines engagierten Sportvereins gefährdet, der zuletzt als Sportverein die höchste Fördersumme im Lokalen Aktionsplan Frankfurt (Oder) für das Projekt „Red Cocks – Verein ohne Rassismus“ erhalten hat und damit auch in diesem Jahr wieder ein Großprojekt umsetzen wird. Aus jetziger Sichtweise und bei den noch zu erwartenden zusätzlichen Kosten ist mit einer Zahlungsunfähigkeit der Red Cocks in 3 – 4 Monaten zu rechnen.

Nur um Missverständnisse von vorn herein zu vermeiden. Für die Red Cocks versteht es sich von selbst, dass die Stadt Frankfurt (Oder) die baufälligen und gefährlichen Bereiche im Stadion der Freundschaft sperren muss, um die Sicherheit der Sportler und Zuschauer zu gewährleisten. Unser Verein hatte deshalb auch schon zum Freundschaftsspiel am 10.04.2010 den gesamten Tribünenbereich großräumig abgesperrt, obwohl von den verantwortlichen Ämtern der Stadt nur die Tribüneninnenräume als Gefährdung angesehen wurden. Wir erwarten jedoch in der jetzigen Situation eine kooperative Zusammenarbeit der zuständigen Stellen der Stadtverwaltung bei der Suche nach einer schnellen und für alle Seiten akzeptablen Lösung. Dies sollte die Stadt ihren sportlich tätigen und engagierten Kindern, Jugendlichen und Bürgern schuldig sein!

Mit sportlichen Grüßen
i.A. des Vorstandes
Karsten Fischer
Präsident und Mannschaftsarzt

1.AFV Ff/O. Red Cocks e.V.
Buschmühlenweg 172

15230 Frankfurt (Oder)


eingetragen am: 02.05.2010 17:57 Uhr
geschrieben von: Red Cocks

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