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Zufriedener Test gegen den deutschen Vizemeister

Am vergangenen Sonntag fuhren die American Footballer der Red Cocks auf Einladung der Baltic Kiel Hurricans in die norddeutsche Ostseemetropole zu einem weiteren Vorbereitungsspiel für die kommende Regionalligasaison. Immerhin 30 Spieler konnten an der kurzfristig zu Stande gekommenen Partie gegen den amtierenden deutschen Vizemeister teilnehmen. Am Ende des Spiels stand ein 50:07 (15:00/21:07/07:00/07:00) auf dem Scoreboard.

Vor Beginn der Partie gab Headcoach Andy Reichel auch gleich die Devise raus. „Wir werden den Jungs im Norden zeigen, dass wir auch im Osten Football spielen können.“ Und seine Jungs beherzigten dies auch. Dabei sahen die körperlichen Voraussetzungen unterschiedlicher nicht aus. Linebacker #30 André Pflaum fasste dann auch ironisch zusammen: „Wir sind zwar kleiner, dafür aber breiter.“ Und spielte damit auf die groß gewachsenen und athletischen Spieler der Kieler Mannschaft an. Es waren die Nachteile in den körperlichen Voraussetzungen schon augenscheinlich, wenn sich die Defense Line der Kieler und die um durchschnittlich einen Kopf kleinere Offense-Line der Frankfurter gegenüber stand. Nichtsdestotrotz versuchte die Mannschaft mit viel Kampfgeist bis zum Schluss gegenzuhalten. Insbesondere die Defense steigerte sich im Spielverlauf deutlich, was sich auch in den Quarterständen bemerkbar machte. Wichtig war aber die insgesamt geschlossene Mannschaftsleistung, aus der keiner herausragte, wie Headcoach Andy Reichel auch nach dem Spiel befand.

Los ging das Spiel auf der idyllisch mitten in der Stadt gelegenen Moorteichwiese mit dem Kickoff der Frankfurter, der jedoch ins Seitenaus ging. Kiel begann mit dem ersten Drive (Spielzug) und ließ sich auch nicht lange lumpen. Im 3. Versuch gelang ein präziser Pass in die Tiefe der Frankfurter Verteidigung über ca. 40 Yard, den der deutlich schnellere Widereciever sicher fing und noch weitere 30 Yard in die Endzone trug. Der anschließende PAT (Point after Touchdown) misslang zwar, da der Snape zu hoch war. Aber der Kicker fing den Ball und lief gleich noch in die Endzone, so dass 2 weitere Punkte zum ersten Zwischenstand von 08:00 führten. Nach dem Kickoff der Kieler führten die Frankfurter ihren ersten Drive aus. Bei diesem gelang immerhin ein First Down (1. Versuch) bevor man sich per Punt (Befreiungsschlag) vom Ball trennen musste. Bereits der nächste Drive der Hurricans brachte auch die nächsten Punkte. Ihr amerikanischer Quarterback #12 Jeff Welsh bediente präzise #82 Julian Dohrendorf, der auch gleich den PAT verwandelte zum 15:00. Auch der 2. Hähne-Drive brachte ein First Down und mündete erneut in einem Punt. Das 1. Quarter endete dann ohne weitere nennenswerte Aktionen. Gleich zu Beginn des 2. Quarters verschaffte die Frankfurter Defense auch dem Kieler Punter seine Einsatzzeiten! Doch der nächste Kieler Drive tief aus der eigenen Hälfte nach Frankfurter Punt endete erneut mit einem Big-Play. Runningback #6 Simon Sommerfeld, den die Red Cocks noch aus ihrer 2. Bundesliga-Saison von den Spielen gegen die Hamburg Eagles kannten, startete einen furiosen Lauf durch die entblößte Defense der Hähne über 80 Yard bis in die Endzone. Mit dem anschließenden PAT stand es dann 22:00. Gleich danach kam die Defense der Hurricans zum Punkten. Quarterback #21 Alexander Philipp geriet einmal mehr von durchgebrochenen Defensespielern unter Druck und versuchte, sich auf seine Schnelligkeit verlassend, durch eine Flucht nach hinten zu retten. Nur leider waren auch die Kieler Defensespieler nicht nur schnell, sondern auch zu viert durchgebrochen. Letztendlich gelang ihnen einen Quarterbacksack (Umreißen des ballführenden Quarterbacks) und bei diesem ging auch noch der Ball durch ein Fumble verloren. So musste einer der Defense Tackle nur noch zugreifen und den Ball in Seelenruhe die restlichen ca. 5 Yard in die Endzone der Frankfurter tragen. Der Zwischenstand von 29:00 nach erfolgreichem PAT ließ nichts Gutes erahnen. Trotz der Überlegenheit von Kiel konnten die Linespieler der Frankfurter der Partie ihre guten Seiten abgewinnen. Oldie #77 Andreas Gotschol fühlte sich an seine besten Zeiten aus der 1. Bundesliga erinnert: „Das ist geil hier, das macht Spaß und geht richtig ab.“

Doch dann folgte das Highlight der Red Cocks an diesem Tage. Nach dem erneuten Kickoff der Kieler begannen die Red Cocks einen Drive über 80 Yard, der erst in der Kieler Endzone endete. Während das 1. First Down dieses Drives noch aus einer Pass interference (Passbehinderung) der Kieler resultierte, wurden die nächsten beiden durch Läufe vom Quarterback selbst erzielt. Dann musste 10 Yard vor der Endzone der 4. Versuch ausgespielt werden. Auch dies gelang durch Fullback #48 Carsten Hoff, der nur noch 4 Yard vor der Endzone war. Und nach der Two-Minute-Warning vollendete Alexander Philipp selbst mit einem erneuten Lauf zum umjubelten Touchdown. Der anschließende Zusatzkick wurde von Christoph Graf ebenfalls verwandelt und die Red Cocks verkürzten auf 29:07. Immerhin hat der Regionalligist damit etwas geschafft, was langjährige Ligakonkurrenten in den letzten 3 Jahren noch nicht verbuchen konnten – einen Touchdown gegen einen Bundesligisten. Allerdings ließ die Antwort des Vizemeisters nicht lange warten. Der Jubel war noch nicht verklungen, da gelang noch in den letzten 2 Minuten vor dem Seitenwechsel nach sehr gutem Passspiel ein erneuter Touchdown und mit dem Zusatzkick stand der Halbzeitstand von 36:07 fest.

Das 3. und 4. Quarter war von deutlich weniger Höhepunkten geprägt. Die Defense der Frankfurter konnte sich besser einstellen. Lange Drives der Kiel Baltic Hurricans waren eher Mangelware. So ließen die Mannen um Linebacker #4 Daniel Stechbarth und Safety #3 Christoph Graf insgesamt nur noch 2 Touchdowns zu. Mit den zugehörigen PATs entstand damit der Endstand von 50:07. Seitens der Red Cocks kam noch einmal kurzer Jubel auf, als Patrick Krüger nach einem kurzen Lauf in der Endzone stand. Jedoch wollten die Schiedsrichter ihm den Gefallen eines Touchdowns nicht gönnen, da zuvor eine illegale Formation der Frankfurter auf dem Feld stand. Nicht nur wegen des „gefühlten“ 2. Touchdowns war Headcoach Andy Reichel insgesamt sehr zufrieden mit seiner Mannschaft. Man wollte mitspielen und hat dies auch getan. Der Kampfgeist und der Teamspirit stimmten. Dazu kam eine hohe Spieldisziplin, die sich in einem Strafenverhältnis von 30:115 Yard zugunsten der Red Cocks widerspiegelte. Auch Abstimmungsprobleme in Offense und Defense konnten weiter minimiert und damit die Trainingseffekte auch auf dem Platz umgesetzt werden.

Auch wenn nur 1 Touchdown letztendlich zu Buche stand, gelang es der Offense immer wieder den Ball zu bewegen und First Downs zu erzielen. Dies ist umso bemerkenswerter, als die beiden etatmäßigen Halfbacks Sören Kirste und Christian Göge verletzungs- bzw. berufsbedingt fehlten. So musste erneut #7 Patrick Krüger als Runningback einspringen. Aber auch Pässe von Quarterback #21 Alexander Phillipp auf Patrick Krüger und #49Tobias Brettschneider waren für First Downs gut.

Insgesamt sahen die lt. Kieler Angaben 600 Zuschauer bei schönstem Sonnenschein ein sehr faires Spiel. Lediglich eine unnötige Aktion der Kieler #1, der dem bereits getackelten und im Aus befindlichen Quarterback quasi in der Teamzone der Red Cocks nochmal zusätzlich das Bein im Knie verdrehte, schmälerte das Gesamtbild. In der kurzen Verletzungspause von Ali Philipp musste Patrick Krüger auch noch als Quarterback einspringen. Auch hier gelang ihm mit einem Lauf ein neues First Down.

Präsident und Mannschaftsarzt Karsten Fischer fasste am Ende des Tages zusammen: „Wir danken den Kieler Verantwortlichen für ihre Unterstützung beim Zustandekommen dieses für uns wichtigen und besonderen Spiels sowie den Kieler Fans für ihre überaus freundliche Verabschiedung der Mannschaft.“

eingetragen am: 22.04.2010 09:15 Uhr
geschrieben von: Red Cocks

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